Samstag, 18. August 2012

Ballonromantik

Beim Grillen mit Freunden hat sich uns grade ein sehr romantisches Bild geboten: insgesamt 11 Heißluftballons kamen über die Stadt auf uns zu.
Sie fuhren direkt über's Haus...
... und langsam und ruhig ....
... verschwanden Sie im Sonnenuntergang. Was für ein Rahmenprogramm für's Grillen!

London

Bei den gerade herrschenden Temperaturen (ich LIEBE es, wenn es so warm ist!!!) hat man die beste Ausrede, sich nicht groß zu bewegen und löwenmäßig irgendwo im Schatten zu dösen. Gut, man kann - wenn man keinen geeigneten, weitläufigen See zur Verfügung hat - auch mit 1.000 anderen Leuten im Freibad Sardine spielen, aber das ist so garnicht mein Fall.

Und so sitze ich hier also im kühlen Schatten und nutze die Gelegenheit, gleich unsere Erlebnisse des letzten Wochenendes zu... äh... Papier (?)... naja, wohl eher Bildschirm zu bringen.

Letztes Wochenende waren Gunnar, Bert und ich nämlich in London und hatten das große Glück, auch Karten für den Eintritt ins Olympiastadion zu haben. Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass Gunnar diese Karten mal wieder gewonnen hatte?

Nun gut. Samstag ging es also um 5 Uhr morgens los.

Während des Fluges machte es sich Bert im Gepäcknetz gemütlich und hörte ein bisschen Musik mit MEINEM iPod.
In London angekommen (nach dem Flug und einer einstündigen Busfahrt von Stansted in die Stadtmitte) fuhren wir zum ersten Mal mit der berühmten Londoner U-Bahn. Tja, allzu groß darf man in den Zügen nicht sein, ab 1,90m stößt man glaube ich an die Decke. Aber das Problem habe ich ja mit meinen 1,65m zum Glück nicht. Bert bestaunte die witzigen Sherlock Holmes Wandmalereien in der Station Baker Street.
An der Station Green Park ging es wieder ans Tageslicht und mit Hunderten anderer Touristen Richtung Buckingham Palace. Von diesem bekamen wir aber nicht so viel zu sehen, denn direkt davor lief gerade das 50km Gehen, alles war abgesperrt und eine Unmenge Leute schwenkte Fahnen und Fähnchen und jubelte den Athleten zu.
Wir schauten dem Spektakel eine Weile zu. Der Hüftschwung der Herren war wirklich beeindruckend ;-) Leider mussten wir voll Neid zugeben, dass deutsche Anfeuerungsrufe ("Hopp, hopp, hopp!") lange nicht so schmissig sind wie die der Franzosen ("Allez, allez, allez!"). Aber der gute Wille zählt.
Bert war aber schon etwas traurig, dass er nicht zum Palast kam, er wollte doch so gern die Queen besuchen. Naja, wer weiß, ob sie überhaupt zu Hause war.
Ich hatte mir fest vorgenommen, in London alles zu fotografieren (oder Gunnar fotografieren zu lassen), was man im Allgemeinen mit England verbindet. Hier also das Bild eines typischen Taxis vor schöner Kulisse.
Die englischen Briefkästen hatten es Bert angetan. Er wollte unbedingt nachsehen, ob sie von innen auch rot sind. So habe ich ihn an den Füßen festgehalten, damit er nachsehen konnte. Er hat es uns aber nicht verraten!
Hier ganz klein zu sehen zwei Bobbies auf Streife. Außerdem der Blick auf den Buckingham Palace über die "Mall", eine breite Straße, die direkt auf den Palast zuführt. Auch hier war alles für das Gehen abgesperrt und überall wehten die Fahnen.
Bei unserem Versuch, das Gehen-Gelände weiträumig zu umgehen, kamen wir auch am Trafalgar Square vorbei (nicht zum letzten Mal an diesem Wochenende...). Man beachte die typischen roten Busse.
Auf dem Weg zum Big Ben kamen wir auch an den so genannten "Horse Guards" vorbei. Heieiei, haben mir die Kerle leid getan, in voller, dicker Montur mit Helm bei gefühlten 30 Grad auf ihren Pferden und dauernd irgendwelche blöden Touristen, die die Pferde verrückt machen, sie streicheln wollen und Fotos machen. Na gut, wir haben auch fotografiert, aber wenigstens haben wir die Tiere in Ruhe gelassen.
So ganz unauffällig und nebenbei tat sich dann neben uns plötzlich die Downing Street auf.
Das kleine Gässchen wäre garnicht weiter aufgefallen, wenn es nicht bewacht wäre wie Fort Knox mit Gittern und Unmengen Wachpersonal.
Auch hier wollten sie Bert nicht reinlassen. Wenn er schon nicht zur Queen kommt, hätte er sich auch mit dem Premierminister zufrieden gegeben. Na, dann halt nicht.
Gegenüber hatte man schon einen schönen ersten Blick durch die Bäume auf das Riesenrad "London Eye".
Nachdem wir uns ewig durch die Massen Touristen geschlängelt hatten, standen wir endlich zu Füßen des Big Ben. Wir hatten Glück, es war gerade 11 Uhr und wir konnten die berühmten Glockenschläge anhören. Bert kontrollierte genau, ob Gunnar das auch richtig machte mit dem Fotografieren.
Er hat es richtig gemacht, es ist ein wirklich schönes Bild dabei rausgekommen.
Und weil es so schön war, das Ganze nochmal mit Indra drauf. Ich glaube, diese Laterne ist die meistfotografierte Laterne Londons.
Auf der anderen Themse-Seite lag nun das Riesenrad (es wird der Bezeichnung wirklich gerecht und IST riesig).
Zu Füßen des Riesenrads hat man nochmal einen schönen Blick zurück auf Big Ben und die Houses of Parliament.
Am Riesenrad fiel mir doch gleich die einzige orangefarbene Gondel auf. Das liegt wohl daran, dass ich im Geschäft dauernd von Unmengen Orange umgeben bin. Diese Farbe scheint mich zu verfolgen...
Nach einem Spaziergang zurück über die Themse waren wir irgendwann schon wieder am Trafalgar Square. Dort setzen wir uns erstmal auf einen Brunnenrand, ruhten uns aus und ließen die Touristenströme an uns vorbeirauschen.
Wir konnten Bert gerade noch davon abhalten, sich in die verführerisch hellblauen Fluten zu stürzen. Das ist dort nämlich streng verboten!
Nach diesem schon recht anstrengenden Vormittag machten wir uns auf nach Canary Wharf zum Hotel "Four Seasons", wo wir die gewonnenen Karten für die Olypiade abholen konnten und ein leckeres Mittagessen bekamen. Hier nur noch das Dessert, die restlichen Gänge habe ich so schnell verputzt, dass ich nicht zum Fotografieren kam. Man beachte die Himbeere im Vordergrund ;-)
Zum Nach-Nachtisch gab es dann noch ganz weltfrauisch an der Bar einen leckeren, fast nicht alkoholischen Verdauungsdrink *hüstel*.
Dann ging es aber endlich los auf das Olympia-Gelände.
Beim Betrachten des Kunstwerks "The Orbit" kann einem auch ohne Mittagsdrink schwindlig werden.
Auch Bert schaute schon ein bisschen schielig......
Nun konnten wir uns aber erstmal in einer schönen Lounge ausruhen (von der laaaaangen Fahrt von 15 Minuten und den 5 Minuten Weg zur Lounge).
Bert gönnte sich erstmal ein erfrischendes Glas Sekt, während wir zunächst bei viiiel Wasser blieben.
Da so viel Alkohol aber nicht gut ist für so einen kleinen Kerl wie Bert, habe ich ihn dann lieber gerettet.
So erfrischt schauten wir uns erstmal eine Ausstellung an und Gunnar posierte als Fackelträger. Steht ihm gut :-)
Nun gab es (schon wieder) etwas zu essen und danach waren als besonderes Highlight zwei Medaillengewinner geladen. Sie erzählten ein wenig von ihrem Erfolg (Gold und Bronze im Triathlon) und dann standen sie für Autogramme und Fotos bereit. Hier also eine grinsende Indra zwischen Jonathan Brownlee (links, 22 Jahre alt, Bronze-Medaille) und seinem Bruder Alistair Brownlee (rechts, 24 Jahre alt, Gold-Medaille).
Dann ging es auf ins Stadion. Wir hatten sensationelle Plätze, gleich in der 9ten Reihe, direkt neben dem olympischen Feuer und schräg hinter dem Anlauf der Speerwerfer. Bei den Trainingswürfen konnten wir dann mein persönliches Highlight der olympischen Spiele in Aktion beobachten: die kleinen ferngesteuerten Minis, die jeweils 2 Speere wieder zum Abwurf zurückbrachten. Ich konnte mich garnicht beruhigen, wie putzig das aussah, wie die kleinen Autole mit den Speeren drin über den Rasen flitzten. Tja, so hat eben jeder seinen besonderen Blickwinkel auf die Spiele ;-)
Aber natürlich sahen wir nicht nur ferngesteuerte Autos, sondern u.a. auch das Finale des Speerwerfens und des Hochsprungs und - hier im Bild zu sehen - den 5.000-Meter-Lauf der Männer. Hier gewann ein Brite, die Siegerehrung mit "God save the queen" aus rund 70.000 Kehlen war unfassbar. Das reine Gänsehaut-Erlebnis!
Bert jubelte allen Athleten fleißig zu, egal, aus welchem Land sie kamen, ganz im Sinne von Olympia.
Auch die 4 x 400m-Staffel der Frauen war toll anzusehen. Der Start war direkt vor unserer Nase.
Für alle das größte Ereignis des Abends war aber die 4 x 100m-Staffel der Herren mit allen Lauf-Stars der Spiele.
Nach dem Rennen, das so schnell vorbei war, man konnte garnicht so schnell erfassen, was ablief, feierten die Sieger (und Weltrekordläufer) direkt vor unseren Plätzen, weil ein paar Reihen vor uns eine größere jamaikanische Fangruppe saß. So konnten wir Yohan Blake und Usain Bolt fast die Hand geben.
Es war lustig anzusehen, wie die Kameraleute und Offiziellen wie ein Fliegenschwarm um die Sieger herumschwirrten.
Auch die zweitplatzierten Amerikaner kamen feiernd an uns vorbei. Es war schön anzusehen, wie sehr sich diese Läufer gefreut haben.
Aber leider konnten wir auch die Enttäuschung der Kanadier live miterleben, die sich erst als Dritte wähnten und dann disqualifiziert wurden. Ganz niedergeschlagen kamen sie vorbei und ich fand es toll, dass der ganze Block unisono aufstand und dem Team mit lautem Klatschen Trost spenden wollte. Es war insgesamt ein wirklich unvergesslicher Abend!

Ziemlich platt stiegen wir wieder in den Bus, der uns zum "Four seasons" zurückbrachte, in dem wir allerdings nicht übernachteten (ein halbes Monatsgehalt wollten wir für ein Zimmer dann doch nicht ausgeben). Wir fuhren noch weiter nach Greenwich, wo wir gegen halb 1 nur noch in die Betten plumpsten. Schließlich sollte der Wecker ja um 7 Uhr schon wieder klingeln, wir wollten ja den Sonntag zum "Power-Sightseeing" nutzen.

Nach etwas wenig Schlaf und einem eher englischen Frühstück (iiiihhhh, Bohnen in Tomatensauce und fettige Würstchen auf dem Buffet...) zogen wir wieder los Richtung Innenstadt. Nun bekam ich auch das Bild einer englischen Telefonzelle mit Pub im Hintergrund für meine "Typisch englisch"-Sammlung.
Auch das Londoner U-Bahnschild musste ich natürlich fotografieren.
Was hier nach "Speakers Corner" aussieht, ist aber nur Gunnars Versuch...
... dieses Bild der Tower-Bridge zu machen, ohne zuviel Landungsstege und Kabel auf's Bild zu bekommen. :-)
Wir gingen über die Brücke zur Ausstellung. Es ist lustig, wie verschnörkelt die Pfeiler aussehen mit den Türmchen, Erkern und Fenstern. Wenn man sich die Brücke von innen ansieht, sieht man, dass das nur eine Fassade um ein Stahlgerüst herum ist und keine Funktion hat, außer, schön auszusehen und ins Stadtbild zu passen.
Das hier ist ein Suchbild: irgendwo hier hat sich ein Bert versteckt.
Von den Überwegen hoch oben in der Brücke hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Von dort kann man sehen, wie nah auch in London alte und moderne Architektur zusammenliegen.
Als wir wieder aus dem Turm herauskamen, konnten wir noch beobachten, wie die zuvor hochgezogene Brücke langsam wieder abgesenkt wurde. Der Stau zog sich sicher quer durch die Stadt. Lustig fand ich auch die eingeklappten olympischen Ringe untern den Überwegen. Was für ein Aufwand...
Auf der anderen Seite der Brücke haben wir noch die Maschinenräume besichtigt. Riesige Schwungräder, die früher mit Dampf angetrieben wurden, um die schweren Brückenteile zu heben.
Bert war es anscheinend zu kalt, er wollte sich gleich in den alten Ofen legen.
Auch die riesigen Werkzeuge sehen nochmal größer aus, wenn sich ein Bert als Größenvergleich darin eingeklemmt hat.
Von der Tower-Bridge ging es dann weiter zum Tower. Wir durften den normalen Haupteingang nehmen und mussten nicht durch das hier zu sehende Verrätertor über den Wasserweg kommen. Glück gehabt.
Der Tower ist ein erstaunlich weitläufiger Komplex mit bewegter Geschichte. Es ist wie ein kleines Dorf mit kleinen Häuschen und den großen, dickwandigen Gebäuden.
Wir haben eine Tour mit einem der bekannten "Beefeater" mitgemacht. Danach kannten wir alle blutigen Einzelheiten der verschiedenen Hinrichtungen... *schluck*
Außerdem haben wir die Käfige der berühmten Tower-Raben gesehen und einige Exemplare liefen herum. Der Älteste von ihnen soll 44 Jahre alt sein.
Nach der Führung haben wir uns die in diesem Gebäude untergebrachten Kronjuwelen und "Zubehör" für Krönungsfeiern angesehen. Man durfte dort leider nicht fotografieren. So ein Geglitzer habe ich noch nie gesehen. Riesige Edelsteine, Unmengen Diamanten, riesige vergoldete Schüsseln (in die Punschschüssel passen 144 Flaschen Wein, na, das reicht für ein zünftiges Gelage!). Die Kronen und der Schmuck würde sich auch sicher gut hier in meinem Schmuckkästchen machen. Obwohl, ein "Kästchen" reicht da nicht mehr aus und was unsere Hausratversicherung dazu sagen würde, will ich mir auch nicht ausmalen :-)
Was ich natürlich auch fotografieren musste, auch, wenn es Gunnar recht peinlich war, ist eine typische Wache. Tadaaaa...
Dann ging es weiter in den "White Tower", in dem die Rüstungen und Waffen untergebracht sind. Was es da nicht alles gibt. Das will man sich auch nicht vorstellen, in solchen Blecheimern drinzustecken. Nachdem wir dann noch etwas auf den Mauern entlang gegangen und noch ein paar weitere Räume besichtigt hatten, setze ein bisschen der "Geschichts-Overkill" ein und wir machten uns auf den Weg Richtung London Bridge.
In der Stadt war wieder alles abgesperrt, diesmal für den Marathon. Dieser war aber schon vorbei und Unmengen Leute schlängelten sich in alle Richtungen. Die Stimmung war aber wieder einmal klasse, auch, wenn sich die Leute in langen Schlangen durch enge Unterführungen quetschen mussten.
Unser nächster Programmpunkt war die "London Bridge Experience", eine Art Geisterhaus in unterirdischen Gewölben. Erst bekam man in gruselig aber toll gemachten Kulissen etwas über die blutige Geschichte Englands erzählt und dann ging man in einer Art Polonaise durch dekorierte, dunkle Gewölbegänge mit Flackerlicht und Nebel und wurde von Unmengen Live-Erschreckern richtig schön begruselt. Noch eine halbe Stunde später zitterten mir Hände und Knie und Gunnar hatte leichte Ohrenschmerzen von meinem Gekreisch. Ein echtes Erlebnis ;-)
Um noch einen ruhigen Ausklang zu haben, wollten wir danach noch Westminster Abbey besichtigen, allerdings war da gerade Gottesdienst und man durfte nicht hinein. So gingen wir eben nur außen daran vorbei. Und dann war es auch schon langsam wieder Zeit, von London Abschied zu nehmen.
In einer wahren Zug-Odyssee (ver)fuhren wir (uns) zurück nach Greenwich ins Hotel, um den dort deponierten Trolley zu holen und hetzten dann zu unserem Bus, der uns nach Stansted bringen sollte. Gunnar und ich sahen mindestens so derangiert aus, wie Bert auf diesem Bild.

Aber trotz aller Widrigkeiten mit Verfahren, auf der Strecke stehenbleibenden Zügen, trödelnden U-Bahnen und verspäteter Busankunft kamen wir noch rechtzeitig zum Flug, der uns müde, aber voll schöner Erinnerungen wieder heim in unsere "kleine Großstadt" brachte.

So, das war also mein Indratypisch unendlich laaaaaanger, aber hoffentlich einigermaßen kurzweiliger Bericht über unser ereignisreiches London-Abenteuer. Der kühle Schatten hat jetzt leider auch nichts genützt, denn der Laptop auf meinem Schoß ist dermaßen heiß geworden, dass ich jetzt erstmal unter die Dusche hüpfen muss, um wieder einigermaßen auf Normaltemperatur zu kommen, bevor es nachher etwas Leckeres vom Grill und ein kühles Radler gibt. In diesem Sinne: Tschüss zusammen!